Die Palme beim Sitzvolleyball – Interview mit Martin Vogel

Sitzvolleyball Team

Der Beachverein beim 3. Internationalen Sitzvolleyball-Turnier in Esslingen

Das Turnier in Esslingen

Am Wochenende vom 26. und 27. September 2026 waren wir erneut bei einem Hallen- Sitzvolleyballturnier vertreten. Der Beachverein startete mit 3 Athletinnen und Athleten. Pablo De Armas Naranjo, Claudia Böhm und Robert Pörner fusionierten mit zwei Spielern aus Burgbrohl(Rheinland-Pfalz) und einer Spielerin aus Ulm. Mit einem vierten Platz in der Tasche und vielen spannenden Spielen, fuhren wir zufrieden und glücklich in unsere Heimatstädte. 

Die Sitzvolleyballszene ist bei weitem nicht so groß, wie die des olympischen Volleyballs, weshalb man viele bekannte Gesichter wiedergetroffen hat und eine sehr familiäre Atmosphäre herrschte. Wir bedanken uns herzlich beim SV 1845 Esslingen für das sehr gut organisierte Turnier und freuen uns bereits jetzt auf nächstes Jahr.

Sitzvolleyball in Freiburg?

Wir als Beachverein haben die Möglichkeit, den Sitzvolleyball-Sport in den Sand zu bringen. Hallen-Sitzvolleyball ist seit langem Bestandteil der Paralympischen Spiele – Sitzbeachvolleyball leider (noch) nicht, weshalb der Schwerpunkt aktuell in der Halle liegt.

Wettkämpe & Turniere gibt es in Deutschland keine. Wir wollen und werden dies ändern und schnellstmöglich ein jährliches Sitz-Beachvolley­ballturnier ausrichten. Die Palme wächst schnell und es gibt noch diverse „Baustellen“. Doch sobald die Infrastruktur für die Austragungen eines Turniers steht, werden wir damit starten – bis dahin solltet ihr also fleißig trainieren!

Sitzvolleyball Block

Sitzvolleyball-Nationalspieler Martin Vogel im Interview

Rob vom Beachverein: Ich sitze hier mit dem Martin. Wir sind beim Sitzvolleyballturnier in Esslingen. Ich wollte dir ein paar Fragen stellen. Erst mal zu deiner Person, Martin, kannst du kurz sagen, wer du bist, was du machst und wie lange schon?

Martin Vogel: Volleyball spiele ich quasi schon immer. Ach so, wer ich bin? Ja, ich bin der Martin.

Rob: Der Martin Vogel.

Martin: Genau, der Martin Vogel bin ich. Volleyball spiele ich schon ewig, ganz lange im Standvolleyball, dann in der Standvolleyball-Nationalmannschaft und seit ungefähr 13 Jahren auch im Sitzvolleyball tätig. Der Hintergrund ist, dass ich als Zivildienstleister eine Schussverletzung erlitten habe und deshalb eine Teillähmung im rechten Bein habe. Und ja, dann konnte ich Gott sei Dank sehr lange spielen mit Springen und allem drum und dran, aber mittlerweile ist dann halt das Sprunggelenk soweit durch, dass es nicht mehr geht. Und darum jetzt im Sitzvolleyball.

Rob: Sehr schön, es gibt immer eine Lösung. Da zum Thema noch mal Glückwunsch zum sechsten Platz bei der Weltmeisterschaft dieses Jahr. Ein sechster Platz ist schon eine krasse Sache. Und vielen Dank noch mal für die Ausrichtung hier in Esslingen! Für das sehr familiäre, schöne Turnier. Macht ihr das dritte Jahr, soweit ich weiß, und wir kommen immer wieder gerne. Das sind nicht nur du, sondern einige, die da viel Leidenschaft reinstecken. Und es ist jedes Jahr, glaube ich, ein Kampf, da Teams zusammen zu bekommen.

Martin: Sehr gerne. Und in der Tat ist das schwierig, ja.

Rob: Was sehr schade ist und nie aufgegeben wird. Aber was denkst du, was ist so die größte Hürde, dass man da keine Spieler findet? Nicht unbedingt paralympische Spieler oder Leute mit Behinderung – Sitzvolleyball ist ja in alle Richtungen ein inklusiver Sport, wo jeder mitmachen kann. Es ist gerade keine Saison im olympischen Volleyball. Warum ist es so schwierig, dass man keine Leute dafür motivieren kann. Schwierige Frage, aber das beschäftigt uns ja alle.

Martin: Naja, zum einen gibt es ja doch auch viele Spieler oder viele Teams, die immer wieder spielen. Wir haben da ein bisschen einen regionalen Nachteil hier im Süden, weil die meisten Sitzvolleyballteams eben eher in der Mitte oder im Norden angesiedelt sind in Deutschland. Die beteuern zwar Jahr für Jahr doch, dann wieder hier runterzukommen, aber dann ist ihnen doch zu weit. Von daher ist es ein bisschen schwierig.

Grundsätzlich aber ist natürlich die Sitzvolleyballszene sehr klein, weil die Zielgruppe sehr klein ist. Wir suchen natürlich einen ganz besonderen Schlag von Leuten. Volleyball ist zunächst schon mal schwer zu spielen. Insofern man einen sehr langen Atem braucht, wenn man noch gar nicht Volleyball gespielt hat und jetzt eben eine Amputation oder sowas hat. Das ist so ein bisschen die Zielgruppe, die wir suchen. Da mit Volleyball anfangen, da brauchst du schon einen sehr langen Atem und dann fehlt natürlich schon auch oft ein bisschen die Perspektive. Wofür mache ich das? Weil die Sitzvolleyballwelt ist so klein.

Das ist glaube ich so ein bisschen das Hauptproblem. Wir haben zwar mittlerweile einen relativ guten Stamm hier in Esslingen, sodass wir selten mit weniger als 7 Leuten trainieren, aber auch selten mit mehr als 11. Und da kommt dann vielleicht zum Tragen, wofür wir uns mal öffnen sollten: dass wir nicht nur behinderte Menschen suchen, die das spielen, sondern dass es halt ein inklusiver Sport ist.

In meinem Team haben wir erstmal einen ganz großen Querschnitt von relativ jungen Spielern bis ganz alten Spielern, die ihre Karriere hinter sich haben und vielleicht die Knochen ein bisschen wehtun. Und ich glaube, um diese Menschen muss man sich bemühen. Da geht’s um Verbreitung.

Ich könnte jetzt noch ganz viel sprechen über Dinge, die man irgendwie machen können. Da geht es natürlich um mediale Verbreitung, auch über soziale Medien. Da geht es aber eben auch oft um direkte Kontakte, um Leute ansprechen und um eine Anbindung an Standvolleyball-Vereine, wo man dann ein bisschen Austausch macht. Woran ich gerade mit dem VLW arbeite, ist, nicht unbedingt die Leute zum Sitzvolleyball forever zu kriegen, sondern Standvolleyballer dazu zu kriegen, dass der Sitzvolleyball eben Elemente aus dem Standvolleyball sehr gut schulen kann.

Rob: Genau!

Martin:  Ich habe ja auch schon Lehrgänge gemacht, zum Beispiel in der Technikschulung in der Jugend. Bei denen man versucht, mal das Laufen rauszunehmen, die Leute auf den Boden zu setzen, um eine saubere Position zum Ball hinzukriegen. Dass ich Vorteile habe im Blockspiel – wenn wir nicht springen, dann kann ich mal versuchen, an der Handposition zu arbeiten. Wo muss ich anspannen im Körper, dass ich da oben stabil bin? Das Baggern ist ein bisschen schwierig, aber auch das geht. Also wie kriege ich die Schlagbewegung im Stand hin? Wie kann ich sauber baggern? Indem ich den Oberkörper verwende!

An solchen Dingen versuche ich gerade zu arbeiten. Und dadurch eben die Entfernung zwischen dem Stand- und dem Sitzvolleyball zu reduzieren. Weil wenn Kinder, wenn Jugendliche, wenn Erwachsene, wenn selbst aktive Teams das mal versuchen und schon mal gesehen haben „boah das bringt mir doch was“, dann haben die vielleicht auch mal Bock, auf so ein Turnier zu kommen und das zu spielen. Dann ist das nicht mehr „Ich mache entweder das oder das“, sondern „Ich kann beides machen und das macht gleichermaßen viel Spaß.“

Rob: Der Trainings- und Schulungseffekt ist echt enorm hoch.

Martin:  Ja, der ist enorm hoch. In allen Belangen, auch in der athletischen Ausbildung, wie Rumpfstabilität und solche Dinge. Bei der Frage „was ist eigentlich Präzision im Volleyball“ – das merkt man dann wenn man mal versucht, den Ball so zu pritschen, dass mein Zuspieler vorne an den Ball kommt – und dieser Zuspieler halt nur sitzt. Dann muss ich noch präziser spielen, sonst kommt kein Ballwechsel zustande.

Es gibt also ganz viel, was man machen kann. Und das ist ein langer Weg, den ich versuchen möchte mit dem VLW so ein bisschen zu beschreiten. Aber das ist immer wieder ein Kampf, um zum Beispiel auch die Lehrwarte mal dazu zu kriegen, sich das anzuhören, sich das anzuschauen, dann vielleicht auch zu verstehen, und zu sagen, ja, ist gar nicht so dumm.

Rob: Darum geht es: dass die Leute das bestenfalls übernehmen.

Martin:  Ganz genau.

Rob: Und ganz privat gesprochen: Ich finde Sitzvolleyball auch die interessantere, schnellere Sportart. Besser als das olympische Volleyball, ganz ehrlich, nicht nur weil ich das nicht mehr kann. Ich finde es wahnsinnig interessant und technisch wertvoll. Und man kriegt einen langen Arm – man muss einen langen Arm haben, auch als Drei-Meter-Mensch, weil man kann nicht springen. (lacht)

Martin:  So ist es. Man muss antizipieren lernen. Man muss wissen, was passiert. Genau da gibt es ganz viele Vorteile. Und darüber ist natürlich dann die nächste Hoffnung, die jetzt uns als Para-Sportler wieder angeht, dass wir natürlich auch immer neue Leute suchen. Und wenn du natürlich mehr Leute kennst, die das Sitzvolleyball kennen und das schon mal gespielt haben, die kennen dann vielleicht jemanden, der auch eine Behinderung hat und so kann man dann so ein bisschen „the word spreaden“. Das wäre so ein bisschen die Hoffnung, dass man sowas hinkriegt.

Rob: Super.

Martin:  Und teilweise passiert das auch schon. Aber das bedarf viel Geduld und viel Energie derjenigen, die das tragen, und oft auch monate- und jahrelang Trainings wo man nur zu zweit, zu dritt, zu viert ist. Und dann kommen doch wieder zwei dazu – genau so kann man das machen. 

Vielleicht jetzt noch ein letztes: die Palme ist ja ein Beachverein. Und ich war immer Beachvolleyballer. Ich möchte dann also…

Rob: …Sitzvolleyball in den Sand bringen – das gibt es! Es ist (noch) kein Bestandteil der Paralympics. Was denkst du? Nicht unbedingt nur für Spieler mit Behinderung, sondern auch ohne. Was ist da diese Riesenhürde, dass man das nicht auch mal im Sand probiert?

Martin:  Naja, ich glaube, die Hürde ist ja wahrscheinlich genau das Gleiche, wie das auch in der Halle im Sitzvolleyball ist: dass eben gesunde Menschen sagen, warum soll ich mich da hinsetzen, was sind die Vorteile davon, dann springe ich doch lieber rum. 

Aber ja, die Vorteile liegen ja quasi auf der Hand. Es gilt das Gleiche wie in der Halle, dass man eben neue Aspekte hat, auch hier durch eine gute Positionierung und so weiter. Ich selber habe es jetzt noch nicht so oft gespielt, aber ich denke mir, dass man da sehr viel Spaß haben kann und eben auch sehr viele Dingen lernt. 

Das Feld ist sehr verkleinert, das Spiel wird auch sehr viel schneller, man lernt mit ganz großer Sicherheit sehr viel mit einem stabilen Block zu spielen. Wie kann ich, wenn der Block steht, einen Dig daraus machen. Ich bin überzeugt, dass es viele Vorteile für Beacher hat, die im Stehen spielen.

Rob: Super. Dann danke ich dir für die Informationen und netten Worte.
Und wir sehen uns beim nächsten Turnier wieder!

Martin:  Ja gerne, nichts zu danken!

Sitzvolleyball Handshake
Sitzvolleyball Ballwechsel
Sitzvolleyball-4

Habt ihr Lust bekommen,das auch mal auszuprobieren?

Dann schaut mal auf unserer Sitzbeachvolleyball-Seite,
meldet euch unter info@beach-freiburg.de oder nutzt einfach das Sitzvolleyball-Feld auf unserer Anlage!

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